Wilde Holunder-Limonade vor dem ersten Frost selbst ansetzen

· von Marek Sedlak · 3 Min. Lesezeit

Wilde Holunder-Limonade vor dem ersten Frost selbst ansetzen

Warum der Zeitpunkt vor dem ersten Frost so wichtig ist

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) steckt kurz vor dem ersten Frost voller Aromastoffe, und genau dann sitzt auch die größte Menge wilder Hefen auf der Beerenschale. Diese Hefen sind der eigentliche Trick an der Sache: Sie bringen deine Limonade ganz von allein zum Prickeln, ganz ohne Backhefe aus der Tüte oder Champagnerhefe aus dem Fachhandel.

Trifft der Frost die Beeren, passiert etwas Unangenehmes:

Kurz gesagt: Wer wirklich gute Wildsoda will, erntet an den letzten trockenen, milden Tagen, bevor es friert. Ein, zwei Nächte Frost reichen schon, um die Qualität spürbar zu verschlechtern.

Holunderbeeren richtig und sicher sammeln

Worauf du achten musst

Werkzeug für die Ernte

Eine kleine Schere, ein luftiger Korb und Handschuhe, denn Holundersaft färbt Finger und Kleidung wochenlang violett. Mehr braucht’s nicht.

Rezept: Wilde Holunder-Limonade (natürlich fermentiert)

Zutaten

So gehst du vor

  1. Beeren vorbereiten: Mit einer Gabel die Beeren von der Dolde streifen, Stiele und unreife Exemplare aussortieren. Nicht waschen, die wilde Hefe sitzt auf der Schale und genau die willst du behalten.
  2. Ansatz mischen: Beeren, Zucker und Zitronensaft in ein großes, sauberes Glasgefäß geben, mit Wasser aufgießen.
  3. Mit Tuch abdecken: Kein Schraubverschluss, kein Deckel. Ein Baumwolltuch mit Gummiband lässt CO2 entweichen und hält gleichzeitig Fruchtfliegen fern.
  4. Täglich umrühren: Zwei- bis dreimal am Tag, damit die Hefen sich gleichmäßig verteilen und sich oben keine Schimmelschicht bildet.
  5. Fermentieren lassen: Nach 2 bis 4 Tagen bei 18 bis 22 °C sollten feine Bläschen aufsteigen, das ist dein Signal, dass die Fermentation läuft.
  6. Abseihen und abfüllen: Durch ein feines Sieb oder ein Tuch gießen, in Bügelflaschen abfüllen.
  7. Zweite Fermentation: Noch 1 bis 2 Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen, erst dann baut sich richtig Kohlensäure auf. Danach ab in den Kühlschrank.

Wichtiger Sicherheitshinweis

Flaschen täglich kurz öffnen (“Burping”), sonst baut sich zu viel Druck auf und im schlimmsten Fall platzt dir eine Flasche in der Küche. Rohe Holunderbeeren enthalten in geringen Mengen natürliche Giftstoffe. Fermentation baut diese größtenteils ab, wer ganz sichergehen will, erwärmt den fertigen Saft vor dem Abfüllen kurz auf etwa 70 °C.

Geschmack und Variationen

Fertig schmeckt die Wild-Limonade erdig-fruchtig, leicht säuerlich und angenehm spritzig, ein bisschen wie eine wilde Cousine von Kombucha oder selbstgemachtem Ingwerbier. Ein paar Varianten, die sich bewährt haben:

Fazit

Die letzten warmen Tage vor dem ersten Frost sind dein einziges richtiges Zeitfenster, um Holunderbeeren auf dem Höhepunkt ihrer Kraft zu ernten. Mit ein paar Zutaten, etwas Geduld und den genannten Sicherheitsmaßnahmen entsteht daraus ein Getränk, das es so im Supermarkt nicht gibt, ein kleines Stück Spätherbst in der Flasche, bevor der Winter alles zudeckt.

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